Wie sieht die Behandlung der Angststörungen aus?
Grundsätzlich wird derzeit ab einer mittelgradigen Ausprägung der jeweiligen Angststörung eine Kombination aus Medikamenten und einer Verhaltenstherapie empfohlen. Eine Ausnahme stellen die einfachen Phobien dar, die in erster Linie verhaltenstherapeutisch behandelt werden.
Medikamentöse Therapie:
Insgesamt können Angststörungen mit derzeit verfügbaren Medikamenten gut behandelt werden. Die Gruppe der angstlösender Substanzen besteht aus Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Antikonvulsiva. In der Initialphase der Aufdosierung von Antidepressiva kann es zu Verstärkung der Angstsymptomatik sowie Zunahme der inneren Unruhe kommen. In der Praxis haben sich daher niedrigere Anfangsdosierungen als bei antidepressiver Therapie, langsame Dosissteigerungen und bedarfsmäßige Gabe von Beruhigungsmittel bewährt. Diese sollten aufgrund ihres Abhängigkeitspotentials nur als Akutmedikation oder nur vorübergehend eingesetzt werden.
20-40% der Patienten sprechen nicht auf die Behandlung mit Medikamenten der 1.Wahl an, dies ist definiert durch fehlende Symptomreduktion um mindestens 50% in einer standardisierten Skala innerhalb von 6 Wochen bei ausreichender Medikamentendosierung. Eine Ausnahme stellt die Behandlung von Zwangsstörungen dar, hier muss die Medikation höher dosiert werden und die Behandlungsdauer mindestens 8-12 Wochen betragen.
Häufige Gründe für ein Nicht-Ansprechen auf Standardbehandlung sind Unverträglichkeit der Medikation sowie unregelmäßige Einnahme der Medikation. Weitere Ursachen stellen lange Erkrankungsdauer, hoher Erkrankungsgrad, ausgeprägtes agoraphobisches Vermeidungsverhalten, häufiges Aufsuchen von Notambulanzen und zusätzliches Erkranken an Depressionen, anderen Angststörungen sowie Persönlichkeitsstörungen dar.
Nicht-medikamentöse Therapie:
Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich als eine effektive Behandlungsmethode bei Patienten mit Angststörungen bewährt. Durch krankheitsaufklärende Maßnahmen sowie besseren Umgang mit der Angst soll dabei langfristig die Rückfallquote reduziert werden. Ein Expositionstraining (wie flooding und systematische Desensibilisierung) ist insbesondere bei phobischen Erkrankungen wirksam, z.B. bei Agoraphobie, Soziophobie und spezifischen Phobien. Gegen nicht situations- oder objektbezogene Ängste sind spezifische kognitive Ansätze entwickelt worden.
Andere psychotherapeutische Verfahren können derzeit aufgrund nicht untersuchter bzw. dargelegter Wirksamkeit nicht empfohlen werden.
Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßige ausdauernde Sportaktivität das Angstniveau reduzieren kann. Die Wirksamkeit scheint der pharmakologischen Behandlung unterlegen zu sein, jedoch führt die Steigerung der allgemeinen körperlichen Fitness der Patienten zum besseren Allgemeinbefinden sowie Reduktion von Muskelanspannung.
Aus verhaltenstherapeutischer Sicht werden die Betroffenen mit Symptomen konfrontiert, die beispielsweise auch während den Panikattacken auftreten (Tachykardie, Hyperventilation, Hyperhidrosis) und die in diesem Fall eine physiologische Reaktion darstellen. Dadurch können falsche Verknüpfungen zwischen Situationen und körperlicher Symptomatik und die falsche Interpretationen der Angst verhaltenstherapeutisch bearbeitet werden.
Vorherige Fragen:
1. Was verstehen wir unter Angst?
2. Wann gelten meine Ängste als krankhaft?
3. Wie häufig ist krankhafte Angst?
4. Was wissen wir über die Entstehung von Angsterkrankungen?



