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Experte:

Prof. Dr. Frank Weber

 

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 linkPfeilAmbulanz für entzündliche ZNS-Erkrankungen

 

Wie wird die Erkrankung Multiple Sklerose diagnostiziert?

Für die Diagnose MS reichen weder klinische Charakteristika, noch einzelne diagnostische Tests aus. Wenn die Anamnese und der klinisch-neurologische Untersuchungsbefund mit dem Vorliegen einer Multiplen Sklerose vereinbar sind, wird man meist eine Kernspintomographie des Gehirns und ggf. des Rückenmarks, die evozierten Potentiale und die Liquoruntersuchung durchführen.

 

Die Kernspintomographie ermöglicht es, die entzündlichen Läsionen im Gehirn und Rückenmark nachzuweisen und kann zwischen akut entzündlichen Läsionen und Läsionen, bei denen die Entzündung bereits abgeflaut ist, unterscheiden. Hierzu wird ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel während der Untersuchung injiziert. Herde mit akuter Entzündungsaktivität reichern das Kontrastmittel an, während bereits abgeheilte Herde keine Kontrastmittelanreicherung aufweisen.

 

Mit Hilfe der evozierten Potentiale wird die Geschwindigkeit gemessen, mit der Reize aufgenommen und zu der jeweiligen reizverarbeitenden Region im Gehirn transportiert werden. Man unterscheidet im Wesentlichen visuell, akustisch und somatosensorisch evozierte Potentiale sowie die Magnetstimulation. Bei den visuell evozierten Potentialen blickt der Patient auf einen Bildschirm, auf dem sich ständig schwarze und weiße Quadrate abwechseln. Dieses Bild wird über den Sehnerv und weitere Nervenbahnen zur Sehrinde im Gehirn geleitet. Bei der Verarbeitung der ständig wechselnden Seheindrücke entsteht über der Sehrinde ein elektrisches Potential. Bei einer Entzündung der Sehnerven beispielsweise, erfolgt die Übermittlung des Signals langsamer und mit geringerer Stärke, so dass mit dieser Methode eine Störung im visuellen System entdeckt werden kann.

Ähnliches gilt für die akustisch evozierten Potentiale, die mit verschiedenen Tönen ausgelöst werden und für die somatosensorisch evozierten Potentiale, die mittels elektrischer Impulse an Armen oder Beinen erzeugt werden.

 

Bei der Magnetstimulation dagegen wird ein elektrisches Feld über dem Gehirn erzeugt, das zu einer Muskelzuckung führt. Ist das motorische System, das für willkürliche Bewegungen zuständig ist, geschädigt, erfolgt die Leitung des Signals langsamer und die Muskelzuckung ist schwächer.

 

Als dritte wichtige Untersuchung ist die Liquoruntersuchung – „Nervenwasseruntersuchung“- zu nennen. Der Liquor umgibt Gehirn und Rückenmark, so dass Infektionen des zentralen Nervensystems sich dort oft mit einer höheren Sicherheit nachweisen lassen, als im Blut. Bei der Multiplen Sklerose zeigt sich im Liquor häufig eine mäßige Vermehrung von Entzündungszellen, sowie eine Produktion von Antikörpern. Letzteres sind spezielle Eiweiße, die der Körper normalerweise zur Abwehr von Infektionen bildet. Eine ständige Bildung von Antikörpern kann mit Hilfe der sogenannten oligoklonalen Banden nachgewiesen werden. Diese oligoklonalen Banden sind bei Patienten mit Multipler Sklerose in mehr als 95% der Fälle nachweisbar.

Weiterhin wird eine Anzahl von Erkrankungen, die der Multiplen Sklerose ähnlich sind, mittels Blutuntersuchungen ausgeschlossen.

 

 

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