MS und Schwangerschaft
Die Schwangerschaft selbst wird durch die MS nicht beeinflusst. Auch die Geburt und die Missbildungsrate ist im Vergleich zur Normalbevölkerung unverändert. Lediglich das Geburtsgewicht des Kindes ist bei MS-Patientinnen etwas geringer.
Für die MS-Patientin besteht während der Schwangerschaft vor allem im 3. Trimenon eine reduzierte Schubwahrscheinlichkeit, die nach der Entbindung jedoch wieder ansteigt. Wenn man die gesamte Dauer der Schwangerschaft berücksichtigt, heben sich diese gegenläufigen Effekte statistisch auf. Auch Studien zum Langzeitverlauf haben keinen negativen Einfluss der Schwangerschaft auf den MS-Verlauf zeigen können.
Die Fortführung oder Beendigung der MS-Therapie während der Schwangerschaft und Stillzeit ist im Einzelfall abzuwägen. Bei den am häufigsten angewandten Interferonen sollte bei Kinderwunsch oder eingetretener Schwangerschaft in Abhängigkeit von der Krankheitsaktivität entschieden werden, ob und wie lange die Therapie fortgeführt wird.
Glatirameracetat und Natalizumab dürfen während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei der Behandlung mit Azathioprin und Mitoxantron ist ein Absetzen drei bzw. sechs Monate vor Eintritt der Schwangerschaft nötig. Die Therapie mit Immunglobulinen wird in der Schwangerschaft als unbedenklich angesehen. Bei einem schweren Schub während der Schwangerschaft ist nach Rücksprache ggf. eine Kortisonstoßtherapie möglich.
Grundsätzlich gilt vor allem bei häufigen Schüben vor der Schwangerschaft: Nach der Geburt möglichst bald Wiederaufnahme der Therapie.
Unter der Therapie mit Interferon ß, Azathioprin und Mitoxantron darf nicht gestillt werden. Bei Glatirameracetat ist das jeweilige Risiko sowohl für die Mutter als auch für das Kind gegen den Nutzen der Behandlung abzuwägen. Stillen unter der Behandlung mit Immunglobulinen wird als unbedenklich angesehen. Letztlich sind alle Therapieentscheidungen im Einzelfall am besten in Zusammenarbeit zwischen Patientin, behandelndem Gynäkologen und Neurologen zu treffen.
Nächste Frage:
12. Neuromyelitis optica (NMO, Devic-Syndrom): Variante der MS oder eigenständiges Krankheitsbild?


